Zu wenig Ferritin kann ganz schön runterzieh‘n

Zu wenig Ferritin kann ganz schön runterzieh‘n

Gerade zu Beginn der Wechseljahre kann es vorkommen, dass die Blutungen nicht nur unregelmäßig werden, sondern du auch das Gefühl hast, praktisch nur noch zu bluten. Nach gerade mal zwei Wochen fängt das Ganz schon wieder an und oft handelt es sich nicht nur um lediglich eine Schmierblutung, sondern die Zwischenblutung kommt durchaus hellrot daher. Ich kann mich noch sehr gut dran erinnern, dass ich mich fühlte, als sei ich zur „Dauerbluterin“ mutiert. Waren das noch die Ausläufer der letzten Blutung oder war das jetzt schon wieder der Beginn einer neuen?? Keine schöne Sache, ehrlich! Nie konntest du sicher sein, dass dich nicht wieder urplötzlich ne Blutung in between überkommen würde. Also immer schön OB’s und Binden mitgeführt und zuhause strengstes drauf geachtet, dass nie aber auch gar nie der Vorrat an „Wechselmaterial“ zur Neige ging. Was haben sich da Samstagabends schon für Dramen abgespielt, wenn Frau unverhofft zu bluten anfing und der liebe Ehemann die Peinlichkeit ertragen musste, schnell noch im einzigen Supermarkt des Wohnorts, der bis 22 Uhr geöffnet hatte, wo man aber so gut wie immer jemand bekanntem über den Weg läuft, entsprechendes „Frauenzeugs“ besorgen zu müssen. Und wenn es dann erst noch den Sohn traf, wurde es erst richtig schlimm!

Zombie auf der Treppe

Wer ständig Blut verliert, dessen Eisenwert rutscht irgendwann natürlich in den Keller, das ist mehr als logisch. Ich weiss noch, dass ich jedesmal, wenn ich eine Treppe hochsteigen musste, mir wie ein halbtoter Zombie vorkam. Obwohl ich von Natur aus schlank und normalerweise meist voller Energie bin und zudem schon immer sportlich aktiv war, drehte sich beim Treppensteigen alles, mir war saumäßig schwindlig und ich keuchte wie ne achtzigjährige Oma. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte das passieren, hätte ich es irgendwie kommen sehen müssen? War ich krank? War ich zu wehleidig? Litt ich gar an Schwindsucht? An ganz schlimmen Tagen wurde mir auch noch schwarz vor Augen. Du liebe Zeit, wenn das so weiterging würde ich sicher nicht das stolze Alter von 86 Jahren meiner lieben Oma erreichen.

Auch die Stimmung sackt ab

Natürlich, wie sollte es anders sein, wirkt es sich auch auf die Stimmung aus, wenn man ständig das Gefühl hat, aus dem letzten Loch zu pfeifen und sich verhältnismäßig öfter müde und schlapp als energiegeladen und kraftvoll fühlt. Als Musikerin war ich immer stolz darauf gewesen, meine Musikanlage inklusive Lautsprecherboxen ganz alleine vom Auto zur entsprechenden Örtlichkeit des Events zu tragen. Und auch wieder zurück, selbst nachts um halb zwei schaffte ich das noch ganz gut Alles kein Problem, Frau ist ja sportlich und stark! Selbst als ich schwanger war, fragte ich nur im äußersten Notfall bei den ganz schweren Sachen, ob mir jemand helfen könne. Und nun musste ich plötzlich fast jedesmal einen Roadie aus der eigenen Familie rekrutieren, der mich bei meinen Gigs mehr oder weniger begeistert unterstützte. Ehrlich, ich war ganz schön zermürbt. Und verzweifelt.

Man kann da doch was machen, oder??

Als ich meiner Frauenärztin dementsprechend was vorheulte, probierten wir es zunächst mit Eisentabletten. Doch die schlugen erstens viel zu langsam an und zweitens wurde mir davon krass schlecht. Also gingen wir über zu Eisen – und Vitamin B12 Infusionen. Das half zwar kurzfristig und ich fühlte mich danach wie neu geboren, doch eben leider nur für kurze Zeit. Und selber bezahlen musste ich das Ganze auch. Dann ging der ganze Scheiß wieder von vorn los. Ich glaube, ich tat meiner Gynäkologin irgendwann tatsächlich sehr leid, denn sie schlug mir irgendwann vor, in meinem besonderen Fall (hormonmäßig scheine ich das immer zu sein) eine Gebärmutterschleimhautverödung vornehmen zu lassen. Danach würde ich entweder nur noch eine Miniblutung oder im besten Fall sogar überhaupt keine Blutung mehr haben. Ich war sofort sowas von Feuer und Flamme: Nie wieder die blöde „Erdbeerwoche“ – was für eine geniale Vorstellung!

Verödung mit der Goldnetzmethode

Da ich Narkosen leider schlecht vertrage (bin während einer nachgeburtlichen Ausschabung sogar mal wach geworden) durfte ich diesen minimalinvasiven Eingriff mit einer PDA machen lassen. Ich weiß noch, wie ich während der OP dem operierenden Arzt, den ich von einer Zysten OP her bereits kannte, sagte, er solle bloß aufpassen, dass er keinen Tupfer oder Ähnliches in meinem Bauchraum vergesse. Die Verödung wurde mit der Goldnetzmethode gemacht, wobei es sich tatsächlich um richtiges Gold handelt. Das Instrument besteht aus einem Netz, welches man in der Gebärmutter entfaltet, so dass es sich an die komplette Gebärmutterschleimhaut anlegt. Dieses Netz ist aus Metall und mit Gold bedampft, um so die Oberflächeneigenschaften zu verbessern. Das Besondere an daran: Sie ist für fast alle geeignet, unabhängig von vorigen Therapieoptionen oder Medikamenten und sie ist zyklusunabhängig. Lediglich Myome oder eine veränderte Form der Gebärmutter können ein Ausschlusskriterium sein, was bei mir aber alles passte. Danach war es lediglich etwas komisch, die eigenen Beine ungefähr noch eine Stunde lang gar nicht zu spüren, dafür war ich aber mental topfit und durfte nach Nachlassen der Narkose sofort wieder heim. Und – was soll ich sagen – es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Ich hatte danach nur noch ein einziges Mal eine kleine Schmierblutung und dann gar nix mehr. Nie wieder! Und dadurch erholte sich dann auch mein Eisenwert und der Ferritinspeicher füllte sich nach und nach wieder auf, was sich deutlich am Kraft – und Energielevel bemerkbar machte. Halleluja, endlich hatte ich mein Leben wieder!!

Man muss nicht alles hinnehmen

Solltest du auch zu den Frauen gehören, die ständig bluten oder zumindest deutlich öfter als früher, dann fasse dir ein Herz und frage bei deinem/r Gynäkologen/in nach einer Verödung der Gebärmutterschleimhaut. Sollte er oder sie dir allerdings vorschlagen, dann lieber doch gleich die ganze Gebärmutter entfernen zu lassen, würde ich mir sehr gut überlegen, ob ich da nochmal hingehen würde. Denn leider wirkt sich das auf die Stimmung total kontraproduktiv aus, wird aber trotzdem immer noch von vielen Ärzten als Mittel der Wahl herangezogen. Ein guter Arzt/ eine gute Ärztin empfiehlt das jedoch nur bei ganz klarer Indikation von beispielsweise ständig wiederkehrenden Myomen etc.

Fazit: Eisenmangel kann zu schweren Erschöpfungssymptomen, depressiven Verstimmungen und auf lange Sicht auch Herzproblemen führen. Leider ist es so, dass der Ferritinwert meist nicht routinemäßig mit überprüft wird und auch, darin sind sich viele Mediziner*innen mittlerweile einig, die Referenzwerte nicht günstig angesetzt sind. Das heißt: Es kann sein, dass bei dir ein Eisenmangel vorliegt und dieser nicht erkannt wird. Doch die gute Nachricht: Eisenmangel lässt sich behandeln. Und depressive Symptome, die hier ihren Ursprung haben, können sich durch eine Behandlung stark bessern!

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